Energiemärkte

An den bedeutendsten Energiemärkten werden Strom, Gas, Kohle, Erdöl und CO2-Emissionsrechte gehandelt. Der Energiehandel erfolgt an Börsen und zu einem großen Teil auch im außerbörslichen Handel. In Europa gibt es mehr als zwanzig verschiedene Energiebörsen. Die größten Volumen werden an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und der Nord Pool Spot/NASDAQ OMX Commodities in Oslo, Norwegen, gehandelt.

Die Hauptmärkte innerhalb einer Energiebörse sind der Spotmarkt für den kurzfristigen Handel und der Terminmarkt, über den die physische Lieferung beispielsweise von Strom oder Gas an einem zukünftigen Datum erfolgt. 

Aufgrund des gestiegenen Energieverbrauchs und der Marktintegration hat die Bedeutung des Energiehandels in Europa rapide zugenommen. Es gibt heute nahezu kein Land mehr, das seinen Energiebedarf mit eigenen Ressourcen abdecken kann. Der Energiehandel gewährleistet eine sichere Energieversorgung und bietet Schutz vor Versorgungsengpässen und Preisschwankungen.

Strom

Die Strombörse ist die Drehscheibe des Strommarktes. An ihrem Spotmarkt bildet sich der marktweite Strompreis. Zu den Handelsteilnehmern am Spotmarkt gehören Stromerzeuger, Anbieter und Händler sowie Großabnehmer.

Die meisten Erzeuger vertreiben ihren Strom über den Spotmarkt, an dem Strom kurzfristig im Rahmen von Day-Ahead-Auktionen gehandelt wird. Der Handelsablauf gestaltet sich wie folgt: Stromerzeuger, die ihren Strom am Spotmarkt verkaufen wollen, müssen ihre Verkaufsangebote (über die Strommenge, die sie zu unterschiedlichen Preisen innerhalb von 24 Stunden am nächsten Tag liefern können) an die Strombörse senden, und zwar vor 12.00 Uhr mittags für den jeweils nächsten Tag, an dem der Strom in das Netz eingespeist werden soll.

Stromanbieter müssen ihre Bestellungen (über die Strommenge, die ihrer Einschätzung nach von Kunden während der 24 Stunden des jeweils nächsten Tages verbraucht wird) und den Betrag, den sie bereit sind zu zahlen, übermitteln. Die Stromanbieter setzen auf der Grundlage des Marktpreises den Strompreis für Endabnehmer fest (der „Einzelhandelspreis").

Aufgrund von möglichen physischen Übertragungsbeschränkungen und dem regionalen Erzeugungsmix gelten in den verschiedenen Marktregionen eventuell unterschiedliche Strompreise.

Der Marktpreis richtet sich nach Angebot und Nachfrage und entspricht den Grenzkosten der letzten Produktionseinheit, die den stündlichen Bedarf decken muss. In Europa sind dies normalerweise die Kosten, die für die Stromerzeugung durch Kohle oder Erdgas entstehen.

Anders als die meisten anderen Rohstoffen kann Elektrizität nicht gespeichert werden. Der Strom wird daher genau dann produziert, wenn Bedarf besteht. Dies führt dazu, dass alle Faktoren, die Angebot und Nachfrage beeinflussen, sich unmittelbar auf den Preis am Spotmarkt auswirken.

Faktoren, die den Strompreis beeinflussen

  • Brennstoffpreise – für Kohle, Gas, Biomasse und Erdöl – und die Preise für CO2-Emissionszertifikate.
  • Wind und Wetter, da sie die Strommenge bestimmen, die durch Windturbinen und Wasserkraftwerke generiert wird. Die Wetterverhältnisse beeinflussen zudem das Verbraucherverhalten.
  • Die Kapazitäten von Kraftwerken, deren aktueller technischer Zustand sowie geplante Wartungen oder ungeplante Ausfälle.
  • Der gesamtwirtschaftliche Kontext wirkt sich auf die Nachfrage aus.
  • Arbeitsfreie Tage.

Der Strompreis für Endabnehmer (Privathaushalte oder Unternehmen) setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  • Preis für Energieerzeugung
  • Preis für die Nutzung des Netzes
  • Steuern und Gebühren (Zuschläge für erneuerbare Energie, Energiesteuer, MwSt. usw.)

Gas

Der Gaspreis wird weitgehend wie der Strompreis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Unternehmen kaufen Rohgas direkt nach der Gewinnung und zahlen einen „Bohrlochpreis". Das Gas wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufbereitet oder weitertransportiert. Die wichtigsten Umschlagsplätze für Erdgas in Europa sind National Balancing Point (UK), Title Transfer Facility (Niederlande), Zeebrügge (Belgien), Gaspool und NCG (Deutschland).

Die Endabnehmer zahlen ihrerseits den Preis für aufbereitetes Erdgas, das ihnen über ein weitläufiges Verteilungssystem direkt nach Hause geliefert wird. Der Verbraucherpreis richtet sich nach den Kosten für Aufbereitung und Auslieferung, der Zählermenge, der Abrechnung, der Wartung des Verteilungssystems und anderen Faktoren.

Wie beim Strom sind unterschiedliche Betreiber für die verschiedenen Teile der Versorgungskette verantwortlich. Während Förderunternehmen den Rohstoff bereit stellen, liegt die Versorgung der Endabnehmer in der Verantwortung von Handelsgesellschaften und Anbietern. Der Erdgaspreis bildet sich im freien Wettbewerb. Dem Gaswirtschaftsgesetz zufolge muss es sich bei den Gebühren für die Netznutzung jedoch um gerechte, nicht diskriminierende Entgelte handeln, die der Kostenwahrheit entsprechen. Um die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften sicherzustellen, unterstehen Netzgesellschaften der behördlichen Aufsicht.

Obwohl sich der Gaspreis für Verbraucher im freien Wettbewerb am Spotmarkt bildet, sind viele Gasversorger durch lange Verträge an wichtige Gasproduzenten gebunden, die den Gaspreis ihrerseits an die Entwicklung des Erdölpreises koppeln. Angesichts der steigenden Bedeutung des Spotmarktes ist diese Art der Preisgestaltung jedoch rückläufig.

Brennstoff

Der Strompreis richtet sich nach den Preisen für Rohstoffe, wie etwa Kohle, Öl und Biomasse, die als Brennstoff in Kraftwerken zum Einsatz kommen, und den Preisen für CO2-Zertifikate.

Kohle

Kohle wird in zahlreichen Ländern weltweit zur gewerblichen Nutzung abgebaut. Am gut belieferten Weltmarkt wird die Kohle dann aus einer großen Vielfalt von Quellen verfügbar gemacht. Der Kohlepreis bildet sich an Rohstoffbörsen wie ICE und CME.

Erdöl

Erdöl ist in der globalisierten Gesellschaft ein wichtiger Rohstoff. Angebot und Nachfrage dienen als Indikator für die Leistungsfähigkeit der Weltwirtschaft. Zudem ist der Ölpreis generell für die Preise aller anderen Rohstoffe richtungsweisend. Der Erdölpreis bildet sich an weltweiten Rohstoffbörsen wie ICE und NYMEX.

Biomasse

Der internationale Handel mit Biomasse zur Stromerzeugung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Einfuhren nach Europa aus anderen Teilen der Welt dürften jedoch steigen, da sich der Anteil von Biomasse im europäischen Energiemix voraussichtlich erhöhen wird. Dies erfordert die Einrichtung eines standardisierten Handels- und Zertifizierungssystems, das weltweit Geltung hat.

CO2-Emissionszertifikate

Der Emissionshandel ist ein marktbasierter Ansatz zur Regulierung von Emissionen, die durch CO2 und andere Schadstoffe entstehen. Das EU-Emissionshandelssystem gibt eine Grenze für den Schadstoffausstoß vor. Der Grenzwert wird Unternehmen in Form von Zertifikaten über eine bestimmte Emissionsmenge zugeteilt oder die Unternehmen können die Emissionsrechte erwerben. Die Zertifikate oder Einheiten können am internationalen Markt zum jeweiligen Marktpreis verkauft werden.

Um den Handel mit Zertifikaten zu ermöglichen, wurden Handelsbörsen eingerichtet. Zu den zahlreichen Börsen, an denen Emissionszertifikate gehandelt werden, gehören unter anderem European Climate Exchange, NASDAQ OMX Commodities Europé, PowerNext und die europäische Energiebörse EEX.