Die neue Energielandschaft

Das europäische Energiesystem befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel. Diese Umgestaltung ist gekennzeichnet durch einen höheren Anteil von erneuerbaren Energieträgern, vermehrte Energieerzeugung in kleinem Umfang , eine aktivere Rolle der Abnehmer und verbesserte Übertragungsleitungen von der Verbindungen der Stromnetze.

Das Energiesystem wird zunehmend vernetzt, aber auch dezentraler ausgerichtet sein. Die zentrale Energieerzeugung erfolgt parallel zu und unter Einbindung der dezentralen Produktion. Somit entsteht eine neue Energielandschaft.

Die wichtigsten Antriebskräfte für diesen Wandel sind die von der EU angenommenen 20-20-20 Ziele. Durch sie sollen, im Vergleich zum Stand von 1990, die Kohlendioxidemissionen bis 2020 um 20 Prozent gesenkt sowie der Anteil erneuerbarer Energiequellen am Energiemix und die Energieeffizienz jeweils im gleichen Zeitraum um 20 Prozent erhöht werden. Auf der Grundlage der 20-20-20 Ziele hat die EU einen Fahrplan 2050 vorgelegt, der zudem die langfristigen Ziele der EU in Bezug auf Versorgungssicherheit und Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum berücksichtigt. Eine weitere wichtige Antriebskraft für den Wandel auf politischer Ebene ist die Energiewende in Deutschland, die unter anderem den Ausstieg aus der Kernenergie vorsieht und Ziele für erneuerbare Energie und Energieeffizienz setzt.

Technologische Entwicklungen erleichtern die Umgestaltung des Energiemarktes. Geschäfts- und Privatkunden können nicht nur ihre eigene Energie erzeugen, sondern den Überschuss auch in das Energiesystem einspeisen.

Umstieg auf erneuerbare Energien

Bei der Stromerzeugung durch erneuerbare Energie kommt es im Vergleich zu herkömmlichen Energieträgern wie Wasser- und Kernkraft häufiger zu Unterbrechungen. Das Netz kann dadurch Überlastungen aufweisen. Da verstärkt Strom durch Windkraft und andere unregelmäßige Energieträger eingespeist wird, besteht wachsender Bedarf an intelligenten und flexiblen Verteilungssystemen. Die Übertragungskapazität muss gesteigert und die hierzu erforderliche Integration verbessert werden.

Dezentrales System

Ein herkömmliches Stromnetz ist darauf ausgerichtet, die Elektrizität einer kleinen Anzahl von Kraftwerken zu verteilen, die durchgehend große Mengen von Strom erzeugen. Derzeit werden die Netze angepasst, um der größeren Anzahl von Kraftwerken an verschiedenen geografischen Standorten gerecht zu werden, die weniger und unregelmäßiger Strom bereitstellen. Aufgrund des Zwei-Weg-Vertriebs vom Produzenten zum Abnehmer muss das Stromnetz umfassender gesteuert werden.

Aktive Abnehmer

Die Liberalisierung des Energiemarktes hat unter den Verbrauchern zu gesteigerter Wahrnehmung und Verhaltensänderungen sowie neuen Erwartungen und Anforderungen geführt. Das Bewusstsein wird weiter wachsen, da Abnehmer verstärkt in der Lage und bereit sind, ihren Energieverbrauch selbst zu kontrollieren. Zudem steigt die Anzahl der Verbraucher, die als „Prosumer" sowohl als Abnehmer als auch als Produzenten aktiv am Energiemarkt teilnehmen.

Mithilfe von Smartgrids werden klassische Stromabnehmer ganzheitlich oder teilweise zu Nettoerzeugern von Elektrizität, beispielsweise durch die Installation von Solarpaneelen auf ihren Dächern. Es wird darüber hinaus ein zweiseitiger Informationsfluss zwischen Produzenten und Verbrauchern einsetzen.

Verbraucher fragen verstärkt nach innovativen Lösungen wie Verträgen für den Aufkauf von selbstproduzierten Energieüberschüssen, Energiemanagement im Eigenheim, Energieoptimierung und Konzepte für den Stromtransport.

Energieeffizienz

Die Klimaziele der EU sehen bis 2020 eine Steigerung der Energieeffizienz von 20 Prozent gegenüber den 1990 erreichten Werten vor. Eine Möglichkeit der Umsetzung besteht dar in, die der Aufforderung an Verbraucher, viel Strom zu den Tageszeiten zu zum Stromverbrauch aufzufordernverbrauchen, wenn zu denen viel Strom produziert wird. Ein weiteres Konzept sieht vor, Unternehmen und Privathaushalten einfach gestaltete Überwachungs- und Steuerungsinstrumente für ihren Stromverbrauch in die Hand zu geben. Dazu gehören beispielsweise intelligente Stromzähler („Smart Meters"). Privathaushalte und Unternehmen können Energiekosten in großem Umfang einsparen, indem sie Energie auf intelligentere Weise nutzen.

Integrierter europäischer Markt

Um die Stromverteilung effizienter zu gestalten, muss das neue Europäische Energiesystem vernetzter sein. Die Marktintegration erfordert einen raschen Ausbau der Infrastruktur auf allen Spannungsebenen. Hierzu sind Investitionen in hohem Umfang erforderlich, damit leistungsstärkere Netze und Netzwerke auf nationaler Ebene geschaffen und die Verbindungen zwischen den einzelnen Ländern ausgebaut werden können. Beispielsweise muss die Übertragungskapazität zwischen den nordischen Ländern und dem europäischen Festland sowie innerhalb Deutschlands vom Norden bis zum Süden erweitert werden.