Kernkraft

2010 waren 143 Kernreaktoren in der EU in Betrieb und vier weitere befanden sich im Bau. Insgesamt stellen diese Kraftwerke eine installierte Leistung von 135 GW und liefern 28 Prozent der in der EU erzeugten Elektrizität.

Aufgrund der gebotenen Versorgungssicherheit und dem geringen CO2-Ausstoß spielt die Kernkraft in vielen europäischen Ländern eine wichtige Rolle.

Große Unterschiede zwischen europäischen Staaten

Die EU hat an dem weltweit durch Kernenergie erzeugten Strom einen Anteil von rund einem Drittel. Die Bedeutung der Kernkraft für die einzelnen europäischen Staaten ist jedoch sehr unterschiedlich.

Viele Länder verfügen nicht über Kernkraftwerke, wohingegen beispielsweise in Frankreich 58 Reaktoren in Betrieb sind und drei Viertel der gesamten Stromerzeugung in Kernkraftwerken erfolgt.

Neue Kernkraftprojekte in der Diskussion

  • 2002 gab das finnische Parlament grünes Licht für den Bau eines neuen Kernreaktors am Standort der bestehenden Kernkraftanlage Olkiluoto. 
  • In Großbritannien ist der Anteil alter Reaktoren relativ hoch. Sie sollen voraussichtlich 2023 stillgelegt werden. Die Inbetriebnahme mehrerer neuer Reaktoren ist bis 2020 geplant. 
  • Im Sommer 2010 verabschiedete das schwedische Parlament ein Gesetz, mit dem das Verbot des Baus neuer Reaktoren aufgehoben wurde. 

In Deutschland hat die Regierung dagegen den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen.

Energiedreieck

Bei der Energieversorgung muss ein Gleichgewicht auf den drei Schlüsselebenen Klima und Umwelt, Versorgungssicherheit sowie Wettbewerbsfähigkeit hergestellt werden.

Es gibt keine Energiequelle, die den drei Ebenen allein gerecht werden kann. Dieses Energiedreieck veranschaulicht die Vor- und Nachteile von Kernkraft.

Klima und Umwelt

Kernkraft verursacht über den Lebenszyklus nur geringe CO2-Emissionen. Die Entsorgung von hoch radioaktivem Abfall wie abgebrannten Brennelementen macht die Lagerung in sicheren Anlagen über einen sehr langen Zeitraum erforderlich. Nach einigen Schätzungen kann dieser Zeitraum bis zu 100.000 Jahre betragen.

Der Uranabbau beeinträchtigt die Umwelt. Dank moderner Methoden wird der Schaden in der Landschaft jedoch nach dem Abbau wieder behoben.

Versorgungssicherheit

Kernkraft gewährleistet stabile Stromerzeugung in großem Umfang. Brennstoffe stehen ständig zur Verfügung. Uranlagerstätten sind weltweit in zahlreichen Ländern vorhanden.

Die Reaktoren werden regelmäßig vom Netz genommen. Diese sogenannten Abschaltungen dienen der Wartung und manchmal der Modernisierung der Anlagen. Die Abschaltungen erfolgen in der Regel einmal jährlich und werden für wärmere Jahreszeiten angesetzt, wenn der Energiebedarf geringer ist.

Wettbewerbsfähigkeit

Der Bau neuer Kernkraftwerke erfordert hohe Investitionen. Die Anlagen erzeugen allerdings große Mengen an Strom und sind auf eine lange Lebensdauer ausgelegt. Für Brennstoffe, Betrieb und Wartung fallen relativ geringe Kosten an.