Die Geschichte der Kernkraft

Kernkraft wurde erstmalig in den 1950er Jahren zur Stromerzeugung genutzt.

  • Das erste Kernkraftwerk für die kommerzielle Stromerzeugung Calder Hall in Sellafield, Großbritannien, wurde 1956 fertiggestellt. Die kerntechnische Anlage produziert Elektrizität sowie Plutonium für militärische Zwecke.

  • Von 1960 bis Ende der 1970er Jahre stieg die Kernkraftkapazität weltweit von knapp 1 GW auf über 100 GW. Dieser drastische Anstieg war auf den gestiegenen Stromverbrauch und den politischen Wunsch zurückzuführen, die Abhängigkeit von Erdöl nach den Ölkrisen der 1970er Jahre zu verringern.

  • Ab Mitte der 1970er Jahre stand die Öffentlichkeit der Kernkraft verstärkt kritisch gegenüber. Es bestand Angst vor Störfällen und Unsicherheit hinsichtlich der Entsorgung des radioaktivem Abfalls.

  • Die Kritik gewann am 28. März 1979 an Brisanz, als im US-amerikanischen Kernkraftwerk „Three Mile Island" in der Nähe von Harrisburg in Pennsylvania eine Reihe technischer Fehler auftraten, die zu einer teilweisen Kernschmelze führten. Obwohl einer der Reaktoren zerstört wurde, trat kein radioaktives Material aus und es gab keine Verletzten. Trotzdem veränderte der Störfall grundlegend die öffentliche Debatte und die Entwicklungen auf politischer Ebene.

  • Ein schwerwiegender Störfall ereignete sich 1986 in Tschernobyl im Norden der Ukraine. Nach einer Überhitzung und Schmelze des Uranbrennstoffs entzündete sich das umgebende Graphit. Als Folge der Hitze und der Reaktion zwischen Graphit und Dampf kam es in weiten Teilen der kerntechnischen Anlage zu Explosionen. Das austretende radioaktive Material zerstreute sich weitläufig über Europa. Einer der Gründe für den Vorfall war, dass der Tschernobyl-Reaktor nicht von einer leckdichten Behälterstruktur umgeben war. Heute verfügen alle bestehenden Kernkraftwerke über diese Vorrichtung.

  • Dreißig Menschen kamen sofort ums Leben und 134 weitere erlitten schwere Verletzungen durch Strahlung. In naheliegenden Gebieten, die zur ehemaligen Sowjetunion gehören, werden vermehrt Fälle von Schilddrüsenkrebs beobachtet, die auf den Reaktorunfall in Tschernobyl zurückgeführt werden.

  • Nach dem Störfall wurde verstärkt der Austritt aus der Kernenergie gefordert, und in Italien wurden bis 1990 die vier bestehenden Reaktoren abgeschaltet.

  • Aufgrund der Reaktorunfälle von Three Mile Island und Tschernobyl und den gezogenen Schlussfolgerungen wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Kernkraftwerken, die heute in Betrieb sind, wesentlich erhöht.

  • Seit einigen Jahren steht die öffentliche Meinung der Kernenergie positiver gegenüber, und in einer Vielzahl von Ländern wurde der Beschluss gefasst, alte Reaktoren zu ersetzen oder die Kernkraftkapazität zu steigern.

  • Die deutsche Regierung hat den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie beschlossen.