News | 22-09-2014 | 09:38 AM

„Wir machen Wind“ – Fachartikelserie zur WindEnergy-Messe

Im Rahmen der Messe WindEnergy Hamburg veröffentlichen wir sechs verschiedene Fachartikel rund um das Thema Windenergie mit Schwerpunkten wie Innovationen, Zukunftstechnologien und Karrierechancen.

Lesen Sie hier den ersten Fachartikel mit Claus Wattendrup, dem Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH im Gespräch über neuste Energiespeicher wie ‚Second Life‘ und BESIC.

„Vorhandene Technologien intelligent ins System integrieren“

Interview mit Claus Wattendrup, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH

Netzstabilität und Speichertechnologien sind Schlüsselthemen der Energiewende. Um auch in Zukunft eine zuverlässige Versorgung zu gewährleisten, braucht es intelligente Konzepte zur Integration der volatilen erneuerbaren Energien. Bei Vattenfall arbeitet das Business Development Team der Geschäftseinheit Renewables an nachhaltigen Lösungsansätzen und neuen Geschäftsmodellen.

Herr Wattendrup, das Thema Energiespeicher ist ein weites Feld. Wie hat Vattenfall sich hier strategisch positioniert?

„Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien spielt in der strategischen Ausrichtung von Vattenfall eine wichtige Rolle. Damit die erneuerbaren Energien besser in das bestehende Erzeugungsportfolio integriert werden können, sind wir auch auf der Suche nach zukunftsfähigen Lösungen zur Speicherung und Steuerung von Energie, denn beide Entwicklungsfelder gehen Hand in Hand. Momentan konzentrieren wir uns mit dem Unternehmensbereich Business Development & System Integration vor allem darauf, Ideen für die Integration der Erneuerbaren zu entwickeln, die in einem kurzen Zeithorizont zur Marktreife gelangen und zur Verfügung stehen können.“

In welche Richtungen denken Sie da?

„Der Markt braucht kommerziell nutzbare Lösungen, und das so schnell wie möglich. Einer unserer Ansätze ist daher, bereits vorhandene Technologien intelligent zur Systemintegration einzubeziehen, etwa als Speicher. Zusammen mit einem großen deutschen Unternehmen haben wir den Einsatz von vorhandenen Batterien als Speicher erfolgreich erprobt. Angeschlossen an das Vattenfall Handelshaus lassen sich diese ansonsten weitgehend ungenutzten Assets vermarkten und tragen zur Stabilitätssicherung im Stromnetz bei. Nun wird die Idee in größerem Maßstab ausgerollt. Aber auch bei den erneuerbaren Energien selber gibt es noch Potenzial, beispielsweise in einer optimierten Steuerung unserer Windparks auf Basis von Echtzeitdaten. Im Rahmen eines anderen Projektes nutzen wir den Netzanschluss bereits errichteter Windparks zusätzlich auch für die Einspeisung von Solarstrom. Die Solarzellen ergänzen den Windpark und harmonisieren die Einspeisekurve.“

Noch einmal zurück zu den Speichertechnologien: In welchen Bereichen engagiert Vattenfall sich?

„Wasserkraft war lange Zeit einer unserer Schwerpunkte, das zeigt sich auch in unserem Firmennamen: Vattenfall ist schwedisch für Wasserfall. Immerhin sind wir mit unseren drei Gigawatt Pumpspeicher-Kapazitäten Marktführer in Deutschland. Die Marktbedingungen sind allerdings im Moment eher schwierig. Wir konzentrieren uns daher auf kurzfristige Speicher in der Nähe von Windparks, die neben der Speicherung von Windstrom für die Primärregelleistung eingesetzt werden können. Hier kommen vor allem Batteriespeicher in Betracht.“

Können Sie konkrete Einsatzgebiete oder Projekte nennen?

„Wir sind in einigen spannenden Projekten aktiv. Beim Projekt ‚Second Life’ zum Beispiel wollen wir ausgediente Batterien aus Elektrofahrzeugen am Ende ihres Lebenszyklus als flexible Speicher und zur Sicherung der Netzstabilität weiterverwenden. Und beim Projekt BESIC erproben wir mit der Hamburger Hafenlogistikgesellschaft HHLA, wie batteriebetriebene Schwerlastfahrzeuge zum Transport von Containern genau dann aufgeladen werden können, wenn viel Wind- oder Solarenergie im Netz vorhanden ist. Gerade, weil diese Projekte alle so praxisorientiert sind, sind sie geeignet für eine schnelle Umsetzung. Als ein weiteres zentrales Thema treiben wir ‚Demand Response’ voran, also die gezielte Steuerung von großen Verbrauchern. Anstatt Energie zu speichern, verschieben wir den Verbrauch von Spitzenlast- in Schwachlastzeiten. Dafür ist eine intelligente Steuerung erforderlich – das ist manchmal aber günstiger als die Investition in neue Speicher.“

 

Weitere Informationen zu den Vattenfall Speicherprojekten

 

Second Life Batteries

Ausgediente Antriebsbatterien als wertvolle Ressource: Das Gemeinschaftsprojekt von Vattenfall und der BMW Group untersucht die Verzahnung von Elektromobilität, erneuerbaren Energien und Energiespeichern. Dazu planen die Projektpartner den Bau eines 2 MW großen Batteriespeichers mit einer Speicherkapazität von etwa 1,6 MWh.

BESIC

Das Projekt BESIC (Batterie-Elektrische Schwerlastfahrzeuge im Intelligenten Containerterminalbetrieb) ist Teil eines vom BMWi geförderten Forschungsprogramms. Bis Ende 2015 werden in 18 Projekten neue Konzepte und Technologien für das Zusammenspiel von intelligenter Fahrzeugtechnik im Elektroauto (Smart Car) mit Energieversorgungs- (Smart Grid) und Verkehrssteuerungssystemen (Smart Traffic) auf der Basis von moderner Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) entwickelt.

Ihre Ansprechpartnerin für weitere Informationen

Diane Vrielmann, Vattenfall Europe Windkraft GmbH,
Tel. 040/2718-2014, diane.vrielmann@vattenfall.de