Grußwort

KWK braucht mehr Unterstützung

Stefan Kleimeier

„Die Novelle des KWK-Gesetzes wird über die Zukunft der effizienten KWK in Deutschland entscheiden.“

 

Liebe Leserinnen und Leser,

fast könnte man den Eindruck bekommen, dass die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Deutschland nicht viele Freunde hat. Gerade einmal 16 Prozent macht der Anteil der KWK an der Stromerzeugung heute aus. Das ist weit entfernt von der Zielmarke, die sich die Bundesregierung selbst gesetzt hat: 25 Prozent des Stroms soll 2020 aus Anlagen stammen, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Diese Anlagen sind besonders effizient, weil sie den Brennstoff bestmöglich nutzen können – Brennstoffnutzungsgrade von über 90 Prozent sind bei modernen KWK-Anlagen keine Seltenheit. Trotz der mageren 16 Prozent wird derzeit nicht über das Schließen der Lücke diskutiert, sondern darüber, wie man die Zielmarke neu definieren kann. Statt 25 Prozent an der gesamten Stromproduktion soll sich das Ziel nunmehr nur noch auf die konventionelle Stromerzeugung beziehen, heißt es. Geht es mit dem Ausbau der Erneuerbaren wie geplant weiter, nähert man sich dem Ziel also ganz automatisch an – auch ohne weiteren Zubau. Das ist einerseits rhetorisch geschickt, stellt aber gleichzeitig die Glaubwürdigkeit der eigenen Energiepolitik infrage. 

Apropos Erneuerbare: Diese Branche weiß deutlich mehr Freunde auf ihrer Seite als die Kraft-Wärme-Kopplung. Angeschoben durch kräftige Subventionen konnte der Anteil an der Stromerzeugung schon auf über 27 Prozent gesteigert werden und liegt damit voll auf Kurs. Dies zeigt, was mit den richtigen Rahmenbedingungen möglich ist. Anders als die vollständig geförderten Erneuerbaren sind die KWK-Anlagen „Aufstocker". Heute können sie nur einen geringen Teil ihrer Kosten am Markt decken und sind daher weiter auf Förderung angewiesen. Das gilt laut KWK-Monitoringbericht angesichts der derzeitigen Marktlage sowohl für den Weiterbetrieb von Bestandsanlagen als auch für Investitionen in neue Kraftwerksprojekte. Nur wenn endlich bei der KWK der gleiche politische Maßstab angelegt wird wie bei den Erneuerbaren, wird es was mit den 25 Prozent und einem der Eckpfeiler der Energiewende. 

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihr

Stefan Kleimeier
Leiter Policy & Regulatory Affairs Deutschland