Rückbau mit Hindernissen

Vattenfall bereitet den Rückbau der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel vor.

Für Vattenfall ist die Erzeugung von Strom aus Kernenergie in Deutschland spätestens seit dem 14. März 2011 Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Bundesregierung die Stilllegung von acht Kernkraftwerken, darunter Brunsbüttel und Krümmel, den beiden einzigen von Vattenfall betriebenen deutschen Kernkraftwerken. Vattenfall hatte die Anlagen erst gut zehn Jahre zuvor von den Hamburgischen Electricitätswerken übernommen. Mittlerweile widmet sich das Unternehmen mit voller Kraft dem Rückbau. Doch das nicht ohne Hindernisse.

Für das Kraftwerk Brunsbüttel hat Vattenfall bereits im November 2012 den Rückbauantrag gestellt. Seitdem prüft die zuständige Behörde die Unterlagen. Vattenfall wiederum wird in einem ersten Schritt die Brennelemente in Castoren verladen und dann in das Standortzwischenlager befördern. Denn erst wenn sich keine Brennelemente mehr im Kraftwerk befinden, darf auch tatsächlich mit dem Rückbau begonnen werden. Doch die Belieferung mit Castoren ist keine Selbstverständlichkeit. Durch die gleichzeitige Stilllegung von acht Kernkraftwerken stieg die Nachfrage nach diesen Spezialbehältern. Zudem sind noch 14 Anlagen in Betrieb, die ebenfalls Castoren für die Lagerung der abgebrannten Brennelemente benötigen und vorrangig beliefert werden. Eine Situation, auf die der Castoren-Lieferant GNS nicht vorbereitet war. Für das Kernkraftwerk Krümmel, für das Vattenfall in diesem Jahr den Rückbau beantragt hat, werden die Castoren voraussichtlich in 2016 geliefert. Für Brunsbüttel stehen diese schon bereit.

Eine weitere Hürde auf dem Weg zum Rückbau ist eine Genehmigung für ein Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle. Nach einer erfolgreichen Klage vor dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht gegen das Standortzwischenlager in Brunsbüttel wird dieses aktuell nur noch geduldet. Um die Brennelemente jedoch rechtssicher lagern zu können, bedarf es dringend einer neuen Genehmigung. Der Antrag dafür wurde in diesem Jahr eingereicht.

Schwach- und mittelradioaktive Abfälle soll der Schacht Konrad aufnehmen, der als Endlager genehmigt ist und zurzeit ausgebaut wird. Nach ursprünglicher Planung sollte er bereits in Betrieb sein. Seine Fertigstellung ist jedoch inzwischen für die Jahre nach 2020 angekündigt, so dass bis dahin eine Zwischenlösung erforderlich ist.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Deponierung von Bauschutt aus Kernkraftwerken. Auch wenn es sich um gewöhnlichen Schutt ohne Strahlung handelt, tun sich viele Deponien schwer, diese Materalien anzunehmen. Hier bedarf es nicht zuletzt der Unterstützung durch die Politik, um ausreichend Deponiekapazitäten zu sichern. In Schleswig-Holstein hat dieser Dialog bereits begonnen.

Zwischen zehn und zwanzig Jahre werden vergehen, bis die Anlagen komplett zurückgebaut sind und von den Kraftwerken nichts mehr zu sehen ist. Die Rückbauten anderer Kraftwerke wie Würgassen und Stade zeigen, dass der Rückbau technisch machbar ist und sich die Zeiträume weiter verkürzen lassen. Wichtig ist, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen auch künftig stimmen. Darauf sollten Bund und Länder besonders achten.