Wettbewerb auf See

Die Bundesregierung will ab dem Jahr 2017 die Einspeisevergütung für Windenergieanlagen auf See per Ausschreibung festlegen. Besonders in der Übergangsphase wird es darum gehen, von Anfang an echten Wettbewerb zu schaffen und damit günstige Strompreise zu erzielen.

Ein Blasenschleier umgibt das Bauschiff „Pacific Orca“. Zum Schutz der Meerestiere dämpft er den Lärmpegel bei der Errichtung der Stahlfundamente

Windenergie ist ein zentrales Geschäfts- und Wachstumsfeld von Vattenfall. Bis 2020 will das Unternehmen 5 Milliarden Euro investieren, um die Windleistung seiner Anlagen an Land und auf See auf 4 Gigawatt zu verdoppeln. Mit jedem Projekt wächst dabei auch das technische Know-how. Bau, Betrieb und Wartung der Windkraftwerke auf See werden effizienter, die Kosten sinken.

Ein Beispiel liefert der Offshore-Windpark Sandbank. Hier werden ab August 2016 72 Windenergieanlagen errichtet und in Betrieb genommen. Gegenüber den ursprünglichen Planungen soll sich der Zeitraum vom Aufstellen der ersten Windenergieanlage bis zur vollständigen Inbetriebnahme des gesamten Windparks um voraussichtlich 23 Prozent verkürzen. Möglich wird dies unter anderem durch den Einsatz eines kombinierten Hotel- und Transferschiffs. Es verfügt über ein spezielles Gangway-System, das Schiffsbewegungen auch bei Wellenhöhen von bis zu 2,5 Meter ausgleicht und den sicheren Überstieg von Arbeitskräften direkt auf die Offshore-Windturbinen ermöglicht. Arbeiten an den Windturbinen können so im 24-Stunden-Betrieb und auch unter Bedingungen fortgeführt werden, die die Teams früher zur „Schlechtwetter-Pause“ zwangen.

Fortschritte wie diese sollen dazu beitragen, dass Vattenfall und seine Projektpartner bei den Ausschreibungen der Zukunft als Bieter eine Chance haben. Leider reizt der vorliegende Referentenentwurf des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) die Vorteile des Wettbewerbs nicht konsequent genug aus.

Da die Offshore-Windkraft nicht bei null startet, werden zunächst Seegebiete ausgeschrieben, auf denen heute bereits Projekte mit einer geschätzten Gesamtleistung von 6 bis 7 Gigawatt (GW) geplant sind. Davon werden 2,92 Gigawatt wird in zwei Runden im Jahr 2017 unter den Projektinhabern auktioniert. Der größere Teil von circa 4 Gigawatt wird nach dem endgültigen Auktionssystem (sogenanntes zentrales Modell) ausgeschrieben. Hier kann der bisherige Projektinhaber mitbieten. Macht ein anderer Wettbewerber ein besseres Angebot, erhält der unterlegene bisherige Projektinhaber trotzdem ein Eintrittsrecht: Er kann dem Gewinner der Ausschreibung das Projekt entziehen und es selbst zum Zuschlagspreis entwickeln.

Die Teilnehmer der Ausschreibung im zentralen Modell treten also unter ungleichen Bedingungen an. Das Wissen um den Vorteil des Projektinhabers kann Mitbieter abschrecken und den Wettbewerb einschränken. Wenn ein Bieter nicht sicher sein kann, trotz des besten Angebots ein Projekt verwirklichen zu dürfen, wird er sich zweimal überlegen, ob er an der Aktion teilnimmt. Je höher aber der Zuschlag, desto höher die Kosten für den Stromkunden. Ein Rechenbeispiel: Beträgt der Zuschlag statt 10 Cent pro Kilowattstunde aufgrund verminderten Wettbewerbs 10,1 Cent, summieren sich die Mehrkosten auf 16 Millionen Euro im Jahr und auf 320 Millionen Euro über den gesamten Förderzeitraum von 20 Jahren – nur aufgrund des Eintrittsrechts.

Es sollte daher dringend ein wettbewerbsneutraler Weg gefunden werden, um Altinhabern von Projekten ihre Vorentwicklungskosten zu ersetzen. Denkbar wäre ein Ausgleichsfonds, der aus den Projekten der Übergangsausschreibungen gespeist wird. Eine solche Lösung wäre erheblich billiger und würde die wettbewerbsbehindernde Wirkung des Eintrittsrecht beseitigen.