Reggae-Feeling mit Jamaika?

Die neue Regierung kann bei Klimaschutz und Sektorenkopplung neue Akzente setzen.

 

Fragen an Alexander Jung, Generalbevollmächtigter Vattenfall Berlin

 

Wohin steuert Vattenfall in der Energiewende?

Vattenfall hat das Ziel, innerhalb einer Generation in allen Geschäftsbereichen und auf allen Märkten CO2-frei zu werden. Wir wollen beim Thema Klimaschutz liefern. In Berlin werden wir bis 2030 aus der Kohle austeigen.

Wie bewerten Sie eine Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP?

Jamaika kann energiepolitisch Ökologie und Ökonomie miteinander versöhnen. Also mehr für den Klimaschutz tun, aber trotzdem auf der Kostenbremse bleiben. Und ich hoffe, dass wir mehr über Sektorenkopplung reden. Über Chancen für die deutsche Wirtschaft. Das ist ein Zukunftsthema mit enormem Wertschöpfungspotential. Aber es ist auch kein Selbstläufer.

Wo sehen Sie den größten energiepolitischen Handlungsbedarf?

Wir müssen die Wärmewende im Heizungskeller voranbringen. Mit einer moderaten CO2-Steuer auf sehr CO2-lastige Lösungen könnte man schnell etwas realisieren. Die Einführung eines komplett neuen CO2-Regimes im Stromsektor für Deutschland wäre aus verschiedenen Gründen nur schwer umsetzbar.

Brauchen wir weniger oder mehr Erneuerbare Energien?

Die jüngsten Ausschreibungsergebnisse bei On- und Offshore-Windkraft beweisen, dass die Energiewende langfristig billiger wird. Trotzdem wird gerade viel über die Kosten der Energiewende diskutiert. Wenn wir Sektorenkopplung ernst nehmen, brauchen wir am langen Ende auch mehr Erneuerbare Energien. Wir brauchen daher insbesondere eine Anhebung des Offshore-Deckels.

Muss sich die Politik um das Thema Versorgungssicherheit kümmern?

Wir müssen uns alle zusammen ehrlich machen. Die Frage ist: Wie groß ist das Problem wirklich und in welchen Jahren brauchen wir zusätzliche Leistung? Zu dem Thema hat jeder seine eigene Agenda. Mein Appell an die Politik ist, hier wie bislang marktorientiert über zusätzliche Regulierungserfordernisse nachzudenken.

 

TO DOs: Unsere Top 5

  1. CO2-Steuer auf Brennstoffe im Non-ETS-Bereich
  2. Verlängerung der KWK-Förderung bis 2030
  3. Masterplan Sektorenkopplung
  4. Anhebung Ausbauziel 2030 für Offshore-Wind auf 20 GW
  5. Anreize für CO2-freie Flexibilitäten von Speichern

 

NO GOs: Unsere Top 5

  1. Nationaler Kapazitätsmarkt
  2. CO2-Preis in Deutschland
  3. Verschärfte Emissionsgrenzwerte bei nationaler BREF-Umsetzung
  4. Vertagung des Themas Kohleausstieg
  5. Überregulierung beim Thema Energiewende