Pressemeldungen | 26-03-2014 | 14:07 PM

Archäologen entdecken Fürst Pücklers Chinesischen Turm im Tagebauvorfeld Nochten

Im Januar dieses Jahres ist es den Archäologen des Sächsischen Landesamtes für Archäologie gelungen, den vom Fürsten Hermann von Pückler (1785-1871) errichteten Chinesischen Turm im Jagdpark südwestlich von Weißwasser archäologisch nachzuweisen.

Seit dem Jahre 1815 baute Pückler parallel zum Park und Schloss Muskau auch das Gebiet um das Jagdschloss aus. Mit seinem Namen werden die Anlage der Schlosswiese, der Ausbau des späteren Märchensees, sowie viele neue Anpflanzungen von Bäumen in Verbindung gebracht. Auch der Aussichtsturm im chinesischen Stil und ein Cottage gehen auf ihn zurück. Die archäologischen Geländearbeiten begannen mit einem kleinen Team von 3 Mitarbeitern im Vorfeld des Tagebaus Nochten am 20.01.2014 und endeten am 14.02.2014. Hinweise auf den Standort des Turmes ergaben sich aus einer Urflurkarte aus dem Jahre 1862, in der quadratische Gebäudestrukturen eingezeichnet waren.

Bei der heutigen Präsentation der Untersuchungsergebnisse sagte der Grabungsleiter des Landesamtes für Archäologie, Peter Schöneburg, dazu: „Gelegen auf einer Anhöhe innerhalb des umzäunten Jagdparks und in einer Entfernung von 400 Meter vom Schloss, war dies der ideale Standort für die Errichtung eines Aussichtsturmes.“ In der Untersuchungsfläche von cira 12 mal 12 Meter konnten Reste von drei Gebäudestrukturen nachgewiesen werden. „Das älteste Gebäude hatte einen rechteckigen Grundriss von sechs mal fünf Meter und ist vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet worden. Darauf folgte ein quadratischer Grundriss von zehn mal zehn Meter mit massiven Punktfundamenten aus Granitsteinen. Dabei handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Fundamente des Chinesischen Turmes, der im Jahre 1843 im Auftrag von Pückler durch den Architekten Karl Görgel (1809-1846) errichtet wurde. An das Ende des 19. Jahrhunderts datieren wir zwei aus Ziegeln gemauerte Träger/Pfeiler, die eventuell mit den Schiessübungen am Rande des Jagdschlosses im Zusammenhang gestanden haben“, so Schöneburg.

Im Bereich des Tagebauvorfelds Nochten wurden seit 1993 wichtige neue Erkenntnisse über die Besiedlungsgeschichte der Landschaft von den ersten steinzeitlichen Jägern vor 13 000 Jahren bis zu den spätmittelalterlichen Dorfgründungen gesammelt. Die Grabungen werden finanziell getragen durch Vattenfall und namhaft unterstützt durch das Arbeitsamt Weißwasser. Der Leiter Rekultivierung und Umsiedlungsmanagement bei Vattenfall, Thomas Penk, unterstrich die besonderen Gegebenheiten, die sich den Archäologen im Tagebauvorfeld bieten: „Auf den Vorfeldflächen der Tagebaue finden die Archäologen den günstigen Umstand, großflächig zusammenhängende Gebiete erschließen zu können wie es sonst nur äußerst selten möglich ist. Damit können sie archäologische Strukturen und Befunde in einem größeren Kontext bewerten.“ Penk weiter: „Mit knapp 8 Millionen Euro haben wir in den vergangenen Jahren die Arbeit der Landesarchäologen unterstützt. Diese gute Zusammenarbeit wollen wir in der Zukunft fortführen. Hierzu werden wir gemeinsam im Jahr 2015 die Weichen mit einer neuen Vereinbarung für die kommenden Jahre stellen.“

Einen guten Eindruck über das Aussehen des Chinesischen Turms liefert die Lithographie von G. Täubert von der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dennoch war der Standort des Chinesischen Turms bereits zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten. Ähnlich verhält es sich mit dem berühmten Cottage des Fürsten Pückler. In seinem Werk „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ aus dem Jahr 1834 wird von Pückler das Cottage erwähnt und auf der Tafel XLII abgebildet. „Im April werden wir uns mit archäologischen Methoden auf die Suche nach den Spuren des Cottage begeben und sind optimistisch es nördlich des heutigen Märchensees nachweisen zu können“, kündigt Peter Schöneberg an.

Derzeit bereitet Vattenfall den Abbau der Braunkohle im Bereich des einstigen Jagdschlosses bei Weißwasser vor. Neben archäologischen Untersuchungen, werden Kampfmittel beräumt, Entwässerungsriegel angelegt und Holz eingeschlagen. Zudem sichert Vattenfall seit dem vergangenen Jahr Erinnerungswerte aus diesem Gebiet. „Gerade an den Wäldern, Bäumen und Geschichten, die mit dem Jagdschloss Weißwasser verbunden sind, nehmen viele Menschen, die hier in der Region leben und hier groß geworden sind, einen großen Anteil“, weiß Thomas Penk. „Somit sehen wir es als unsere Verantwortung an, diese Geschichten und Erinnerungswerte zu überliefern. Unser Ziel ist es, nach dem Bergbau eine Landschaft entstehen zu lassen, in der diese Erinnerungswerte wieder lebendig werden.“

So ist geplant, Mitte der 2020er Jahre unter anderem die Jagdschlosswiese in den Wäldern der Bergbaufolgelandschaft anzulegen und historische Forstabteilungssteine sowie Gedenksteine ebenfalls in die rekultivierte Fläche zu integrieren. Auch der Boden der Jagdschlosswiese wird wieder in die Bergbaufolgelandschaft eingebracht werden. Als Ausgleich für den Eingriff in Natur und Landschaft ist in der Bergbaufolgelandschaft des Tagebaus Nochten ein etwa 1700 Hektar großes Gebiet südlich von Weißwasser dem Naturschutz vorbehalten.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen sind:
Dr. Christoph Heiermann, Landesamt für Archäologie, Referatsleiter Organisation/Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 0351 8926 603, Mobil 0172 7916 293 Christoph.Heiermann@lfa.sachsen.de
Kathi Gerstner, Vattenfall GmbH, Pressesprecherin, Media Relations Cottbus,
Telefon 0355 2887 3010, Fax 0355 2887 3066, kathi.gerstner@vattenfall.de