Pressemeldungen | 07-11-2014 | 14:30 PM

Brunsbüttel: Letzte Kaverne wird inspiziert

Vattenfall hat die Inspektion von Kaverne 3 abgeschlossen und wird am Montag, dem 10.11.2014, die Inspektion der letzten Kaverne 6 vorbereiten

In Kaverne 6 befinden sich insgesamt 221 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall, die zum größten Teil Filterkonzentrate enthalten. Die Abfälle stammen aus der Abwasseraufbereitung bzw. aus den Prozesskreisläufen des Kernkraftwerks. Filterharze dienen dazu, das Wasser in den Prozesskreisläufen so rein wie möglich zu halten, Verdampferkonzentrate sind getrocknete Rückstände aus der Abwasseraufbereitung. Ein Großteil der Fässer in Kaverne 6 ist in rechteckigen offenen Containern, sogenannten Mulden, gelagert, zum Teil liegend. Nach Öffnung der Kaverne Anfang kommender Woche wird Vattenfall Probeaufnehmen vornehmen, um auf dieser Basis der Aufsichtsbehörde einen Vorschlag unterbreiten zu können, wie die Fässer in der Kaverne und den Mulden inspiziert werden können. Nach den Probefahrten startet die Inspektion des Bauwerks. Neben den Fässern lagern auch Reaktorkomponenten in Kaverne 6.
 
„Vattenfall reicht zudem heute bei der Aufsichtsbehörde das erweiterte Handhabungskonzept ein, in das die Erkenntnisse der bisherigen Inspektionen der Kavernen 1 bis 4 eingeflossen sind“, so Pieter Wasmuth, Geschäftsführer Kommunikation der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH. Das Handhabungskonzept sieht vor, dass die Fässer mit Hilfe einer speziellen Greifvorrichtung, die sowohl am Deckel als auch am Fassboden greift, aus den Kavernen gehoben werden. Es werden grundsätzlich alle Handhabungen der Fässer in einer Einhausung erfolgen, um den Arbeitsbereich zusätzlich zu umschließen. „Damit wir unser Handhabungskonzept endgültig fertigstellen können, benötigen wir noch die Erkenntnisse aus der laufenden Kaverneninspektion“, so Pieter Wasmuth weiter. Dann können auch Lösungen für diejenigen Fässer erarbeitet werden, die eine individuelle Handhabung, z. B. durch ferngesteuertes Werkzeug, benötigen. Nach Ende der Inspektion von Kaverne 6 soll das Handhabungskonzept auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
 
Die Kavernen sind sicher, weder für das Personal noch für die Bevölkerung besteht Gefahr. Wie auch Minister Habeck betont hat, stellen nicht die Fässer, sondern die Kaverne die Schutzbarriere für Mensch und Umwelt dar. Die Kavernen waren konzeptionell zunächst nicht für eine längerfristige Aufbewahrung vorgesehen, sondern die Fässer sollten nach Schacht Konrad als bundesweitem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden. Ursprünglich sollte Schacht Konrad Mitte bis Ende der 90’er Jahre fertiggestellt werden. Nachdem in der Vergangenheit zuletzt 2014 bzw. 2019 als Fertigstellungstermine genannt wurden, rechnet das Bundesumweltministerium aktuell mit einer Inbetriebnahme zwischen 2021 und 2025. Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle, die in Schacht Konrad gelagert werden sollen, stammen überwiegend aus dem Kraftwerksbetrieb sowie dem medizinischen Bereich und Forschungseinrichtungen.
 
Kaverne 6 ist die letzte noch zu inspizierende Kaverne. Von insgesamt 409 Fässern, die bislang begutachtet wurden, weist rund ein Drittel starke Beschädigungen auf. Die Inspektion der 74 Fässer in Kaverne 3 hat gezeigt, dass die Hälfte der dort gelagerten Fässer stark auffällig ist. Festgestellt wurde außerdem, dass sich die Ergebnisse der bisherigen Inspektionen im Wesentlichen wiederholen - zum Teil starke Korrosionen sowie Ablaufspuren und Ablagerungen an den Fässern. Ein Fass aus Kaverne 3 wurde im Jahr 2010 zuerst im Feststofflager und ab 2014 im Maschinenhaus aufbewahrt. Der Bestand der Fässer und ihr Aufbewahrungsort werden der Aufsichtsbehörde in den jährlichen Berichten angezeigt. In Kaverne 3 befinden sich insgesamt 7 Fässer in sogenannten Überfässern, deren Inspektion keine Auffälligkeiten ergeben hat. Für drei Fässer mit bisher nicht abschließend deklariertem Inhalt aus der Betriebszeit des Kraftwerks entschieden Betreiber und Aufsichtsbehörde im Konsens, eine endgültige Deklarierung und Verpackung zu einem späteren Zeitpunkt vorzunehmen. Gründe für diese Entscheidung waren sowohl der gute Zustand der Gebinde als auch die vergleichsweise niedrigen radiologischen Untersuchungs­ergebnisse, die ein vorgezogenes Handhaben noch während der laufenden Inspektion aller Kavernen nicht erforderlich machen.
 
Geplant ist, die Inspektion bis Ende des Jahres abzuschließen. Der Inhalt der Fässer soll im Anschluss in Spezialbehälter, die für die Einlagerung in Schacht Konrad notwendig sind, umgefüllt werden. Für diese endlagerfähigen Behälter ist eine Vielzahl von Zulassungen nötig, die derzeit noch nicht komplett vorliegen. Bis zum Abtransport nach Schacht Konrad bleiben diese Behälter in den Transport-bereitstellungshallen bzw. im geplanten Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LasmA).
 
Alle Maßnahmen erfolgen nach vorheriger Abstimmung mit der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde und in Beisein von Sachverständigen.

 

 

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