Pressemeldungen | 02-10-2015 | 13:06 PM

Sanierung des Pumpspeicherwerks Hohenwarte auf der Zielgeraden

Einstau der Talsperre Eichicht beginnt / Neun Millionen Euro in Sicherheit und Instandhaltung investiert / Pumpspeicher unverzichtbarer Bestandteil nachhaltiger Stromversorgung

Endspurt am Wasserkraft-Standort Hohenwarte in Thüringen: die umfangreichen Sanierungsarbeiten, die Vattenfall an den Pumpspeicherwerken (PSW) Hohenwarte I und II sowie an der Talsperre Eichicht während der Sommermonate durchgeführt hat, befinden sich jetzt auf der Zielgeraden. Am kommenden Montag (5.10.) beginnt das Unternehmen mit dem Wiedereinstau der Talsperre Eichicht, die zugleich als Unterbecken für das PSW Hohenwarte II dient. Dann fließen bis zu 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in das bis auf den alten Flusslauf der Saale entleerte Staubecken. Der volle Pegelstand in Eichicht soll voraussichtlich nach etwa drei Tagen erreicht sein. Anschließend wird dann das Oberbecken des PSW Hohenwarte II schrittweise eingestaut. Das Oberbecken ist zurzeit noch komplett entleert und es hatte sich während der Sommermonate zu einer Attraktion für technik-interessierte Besucher entwickelt. Auch Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund war Anfang August vor Ort zu Gast.

Das Investitionsvolumen für die Arbeiten in Hohenwarte beläuft sich auf neun Millionen Euro. „Insgesamt sechs große Baumaßnahmen wurden während der Sanierung sowohl im geplanten Zeit- als auch im Kostenrahmen umgesetzt. Dazu gehörten u.a. die Sanierung der Dammdichtung am Oberbecken sowie umfangreiche Betonsanierungen an der Staumauer Eichicht als auch an den Auslaufbauwerken der PSW Hohenwarte I und II“, erläutert Thomas Beyer, Leiter Werksbereich Thüringen der Wasserkraftsparte von Vattenfall. „Es freut mich besonders, dass wir während des gesamten Projekts keinen Arbeitsunfall zu verzeichnen hatten“, so Beyer. Zudem wurde das Arbeitsvolumen des Oberbeckens des PSW Hohenwarte II um rund 200.000 Kubikmeter erhöht.

Die Sanierungsmaßnahmen gewährleisten für die kommenden Jahrzehnte die Sicherheit und den einwandfreien Betrieb der Wasserkraftanlagen in Hohenwarte. Hierdurch wird der Hochwasserschutz für die Anrainer entlang der Talsperren der Saalekaskade sicher gestellt. In den vergangenen zehn Jahren hat Vattenfall einen zweistelligen Millionenbetrag in den Erhalt und die Ertüchtigung der Saalekaskade investiert.

Hinweis an die Redaktionen: Bilder des Pumpspeicherwerks Hohenwarte finden Sie zum kostenlosen Download auf http://corporate.vattenfall.de/newsroom/pressefotos/ unter dem Suchbegriff „Hohenwarte“.

Weitere Infos finden Sie auch unter: https://www.vattenfall.de/de/saalekaskade/saalekaskade.htm

 

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen: Lutz Wiese, Vattenfall GmbH, Media Relations Telefon +49 30 8182 2332, Fax +49 30 8182 2315, lutz.wiese@vattenfall.de

 

Daten und Fakten des Pumpspeicherwerks Hohenwarte II
Inbetriebnahme 1965-1966
Gesamtleistung 320 MW
Erzeugte Strommenge 19.362 GWh seit Inbetriebsetzung
Nennleistung Turbinenbetrieb 8 x 40 MW
Nennleistung Pumpbetrieb 8 x 42 MW
Anfahrtszeiten  
von Stillstand auf vollen Turbinenbetrieb 115 Sekunden bis 160 Sekunden
von Stillstand auf vollen Pumpbetrieb 270 Sekunden bis 350 Sekunden
Art des Oberbeckens künstliches Becken
Nutzinhalt 3,0 Mio. m3
Arbeitsvermögen 2.087 Megawattstunden Tu-Arbeit
  3.010 Megawattstunden Pu-Arbeit
Gesamtstauraum des Unterbeckens 5,14 Mio. m³ (Talsperre Eichicht)
Art der Maschinensätze Pumpspeicher (vertikal)
Anzahl 8
Turbine F 8
Bauart Francis
Turbinen-Nenndurchfluss 16,1 m³/s
Pumpen-Nennförderstrom 11,1 m³/s
Art der Verbindung Oberbecken/Kaverne Triebwasserleitung
Anzahl 8
Länge 672 m
Durchmesser 1,9 bis 2,6 m
Mittlere Fallhöhe 302 m
Generatortyp Motor-Generator
Art Synchronmaschine
Leistung 50 MVA
Spannung 10,5 kV

 

PSW unverzichtbar für die Energiewende
Pumpspeicherwerke (PSW) spielen für die Energiewende eine entscheidende Rolle als Speicher für Strom aus Erneuerbaren Energien und für die Netzstabilität. Sie helfen, Schwankungen der stark anwachsenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen. Durch ihre sehr hohen Reaktionsgeschwindigkeiten tragen PSW maßgeblich zur Sicherheit und Stabilität des deutschen Stromnetzes bei. Sie sind die derzeit einzigen im großtechnischen Maßstab verfügbaren Speicher für überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien. Zudem gehören PSW zu den wenigen Anlagen, die schwarzstartfähig sind. Das bedeutet, dass PSW im Falle flächendeckender Stromausfälle ohne Hilfe von außen Strom erzeugen und so eine geregelte Stromversorgung im Land wieder aufbauen können.

Allerdings belasten Netznutzungsentgelte, die PSW im Speicherbetrieb auf den eingesetzten Pumpstrom zahlen müssen, die Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Denn durch die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen werden PSW rechtlich so behandelt, als seien sie so genannte „Letztverbraucher“ von Strom – und keine Stromspeicher.

Der Beitrag der PSW zur Netzstabilisierung und zur Umsetzung der Energiewende wird durch die aktuelle Gesetzeslage nicht ausreichend berücksichtigt. Vattenfall würde es daher begrüßen, wenn es künftig zu einer weitergehenden Befreiung der PSW von den Netznutzungsentgelten käme. Die aktuellen Regelungen des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) sind nicht Ziel führend, denn Bestandsanlagen in Deutschland werden gegenüber konkurrierenden ausländischen PSW nach wie vor wirtschaftlich schlechter gestellt und damit benachteiligt. Die Hürden für eine Befreiung von den Netznutzungsentgelten sind nach wie vor zu hoch, um neue Investitionen zu motivieren.

Über Vattenfalls Wasserkraftsparte in Deutschland
Die Ursprünge des schwedischen Vattenfall-Konzerns liegen in der Stromerzeugung aus Wasserkraft – Vattenfall heißt auf Deutsch Wasserfall. Rund 20 Prozent von Vattenfalls gesamter Stromerzeugung stammen aus Wasserkraft. In Deutschland betreibt Vattenfall insgesamt 12 Wasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von rund 3.000 Megawatt (MW), im wesentlichen Pumpspeicherwerke (8) und kleinere Laufwasserkraftwerke (4). Bezogen auf die gesamte Pumpspeicher-Leistung in Deutschland von rund 7.000 MW hält Vattenfall hier einen Marktanteil von rund 40 Prozent. Zum Anlagenbestand von Vattenfall gehören die beiden größten deutschen Pumpspeicherwerke, Markersbach im Erzgebirge mit 1.050 MW sowie Goldisthal in Thüringen mit 1.060 MW.

Das Pumpspeicherwerk Hohenwarte II ist Teil des größten zusammenhängenden Talsperrensystems in Deutschland, der Saalekaskade, und zugleich das größte Wasserkraftwerk an der Saale. Die Anlage ist zwischen 1965 und 1966 in Betrieb gegangen (Baubeginn 1956). In den Betriebsjahren seit 1965 hat das PSW Hohenwarte insgesamt 19.362 Gigawattstunden (GWh) Strom erzeugt. Das bedeutet, auf ein Jahr gerechnet, durchschnittlich rund 387 GWh. Diese Strommenge entspricht rechnerisch dem jährlichen Stromverbrauch von 110.000 deutschen Durchschnittshaushalten.

Wasserkraftwerke sind eine sehr gut bekannte, jahrzehntelang erprobte und zuverlässige Technik, zudem können Wasserkraftwerke ein vergleichsweise hohes Lebensalter erreichen.