Pressemeldungen | 26-04-2013 | 16:00 PM

Hirschhausen ignoriert die energiewirtschaftliche Realität

Dritte Studie zur Notwendigkeit neuer Tagebaufelder zeigt keinen Erkenntnisgewinn

Ein „Gutachten zur energiewirtschaftlichen Notwendigkeit der Fortschreibung des Braunkohlenplans Tagebau Nochten“ von Prof. Christan von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist in dieser Woche veröffentlich worden. Das Papier ist im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland entstanden, die während des Braunkohlenplanverfahrens zum Nochten Abbaufeld 2 mehrfach als erklärter Braunkohlegegner aufgetreten ist. Wie bereits seine frühere Studie vom Herbst vergangenen Jahres und das im Auftrag des Brandenburger Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz entstandene Gutachten zum Braunkohleplan Welzow Süd, basiert auch dieses Papier auf unverändert falschen Grundannahmen. Diese führen zwangsläufig zum Wunschszenario Christian von Hirschhausens und der Klima-Allianz, wonach der Aufschluss des Nochtener Abbaufeldes 2 nicht erforderlich sei.

Bis 2032, so beispielsweise eine von Hirschhausens Annahmen, werde die Auslastung der Braunkohlenkraftwerke um etwa ein Drittel sinken. „Die Realität, die wir erleben, sieht anders aus“, sagt Dr. Hartmuth Zeiß, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG. „Die Nachfrage nach Strom aus heimischer Braunkohle hat deutlich zugenommen. Vor dem Hintergrund des Ausstiegs aus der Kernenergie wird sie auch in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau bleiben. Es ist offensichtlich, dass die Braunkohle zur Integration eines wachsenden Anteils erneuerbarer Energien noch für Jahrzehnte benötigt wird, wenn gleichzeitig die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität am Wirtschaftsstandort Deutschland gesichert bleiben sollen. Mit dieser Ansicht befinden wir uns in völliger Übereinstimmung mit dem Energie- und Klimakonzept des Freistaates Sachsen, das die Braunkohle als strategisch wichtige heimische Ressource und Partner der erneuerbaren Energien betrachtet.“

Gerade das Kraftwerk Boxberg kann an allen Kraftwerksblöcken seit Jahren eine stabile bis steigende Stromerzeugung nachweisen. Das spiegelt sich in deutlich über 7000 Volllaststunden im Jahr wider. Die These Prof. von Hirschhausens, wonach die 500-MW-Blöcke in Boxberg und Jänschwalde im Jahr 2013 lediglich 6000 Volllaststunden erreichen mit danach weiter fallender Tendenz, ist angesichts von bereits etwa 2000 Volllaststunden im 1. Quartal 2013 mehr als abwegig. Sie zeigt vielmehr, wie zwecks Errechnens des gewünschten Ergebnisses bewusst auf fundierte Recherche von Fakten beziehungsweise Eingangsparametern verzichtet wird.

Im sächsischen Tagebau Nochten, der hauptsächlich den benachbarten Kraftwerksstandort versorgt, werden jährlich etwa 20 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Das genehmigte Nochtener Abbaugebiet, das heute noch einen Vorrat von etwa 310 Millionen Tonnen Kohle beinhaltet, ist demnach in 15 Jahren erschöpft. Darüber hinaus werden die Kohlevorräte aus dem Abbaufeld 2 zwingend benötigt, um unterbrechungsfreie, ausreichende Versorgung des Kraftwerkes Boxberg sicherzustellen.

Eine weitere willkürliche und fälschliche Annahme Prof. von Hirschhausens in Bezug auf das Kraftwerk Boxberg ist seine regelmäßig wiederkehrende Behauptung, in den Jahren 2019/2020 gingen die Boxberger Blöcke N und P vom Netz. „Das ist zu diesem Zeitpunkt weder wegen einer zu geringen Auslastung noch wegen des Alters dieser Blöcke zu erwarten. Sie sind Mitte der 90er Jahre vollständig Seite 2 von 2 modernisiert worden, was ihre technische Laufzeit wesentlich verlängert“, betont Dr. Hartmuth Zeiß. „Leider scheint der Autor jedoch von seiner Zielvorgabe so getrieben zu sein, dass er diese Tatsache einfach nicht zur Kenntnis nehmen möchte.“

Ähnlich unbeweglich zeigt sich von Hirschhausen in Bezug auf seine These, bei einer stärkeren Ausbeutung des genehmigten Kohlefeldes Reichwalde könne das Kraftwerk Boxberg bis in die Mitte der Vierzigerjahre ausreichend versorgt werden, ohne die Vorkommen aus dem Nochtener Abbaufeld 2 zu nutzen Er verkennt dabei, dass der Brennstoff für das Kraftwerk in einem abgestimmten Verhältnis aus beiden Tagebauen geliefert werden muss und die Kohle aus dem Abbaugebiet 2 dazu unbedingt notwendig ist.

Für die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe setzt von Hirschhausen in seinem Nochten-Gutachten zudem bis zu 200 Megawatt geringere Leistungskapazitäten an als sie tatsächlich haben. „Das mag ein Versehen sein, es unterstreicht aber den Eindruck, dass bei dieser Arbeit von einer unabhängigen und faktenbasierten Expertise nicht die Rede sein kann“, so Dr. Hartmuth Zeiß.

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Thoralf Schirmer
, Vattenfall GmbH, Pressesprecher, Media Relations Cottbus, Telefon 0355 2887 3067, Fax 0355 2887 3066, thoralf.schirmer@vattenfall.de