130 Jahre in Berlin

In Berlin steht die Wiege der öffentlichen Energieversorgung Deutschlands: Vor 130 Jahren, am 8. Mai 1884, wurde die Aktiengesellschaft „Städtische Elektricitäts-Werke“ gegründet, die spätere Bewag.

 

Zeichnung vom Verwaltungsgebäude in der Markgrafenstraße 44

Berlin ist Vorreiter

Heizkraftwerk Charlottenburg, um 1930

Diese Firmengründung im Jahr 1884 war der Auftakt einer wegweisenden Epoche und Motor für die rasante Entwicklung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Berlin.

Vattenfall führt als Energieunternehmen die Traditionen und das Engagement der Berliner Vorgängerunternehmen weiter. Folgen Sie unserem Streifzug durch 130 Jahre Berliner Energieversorgung.

Am Anfang war das Licht


Bereits vor Gründung der Aktiengesellschaft leuchten am 2. Dezember 1882 in der Berliner Wilhelmstraße die ersten öffentlichen Straßenlampen mit elektrischem Glühlicht.

Am 15. August 1885 geht in der Markgrafenstraße 44 am Gendarmenmarkt das erste öffentliche Kraftwerk Deutschlands in Betrieb. Und der Hunger nach Strom wächst.

Es entsteht ein Kraftwerk nach dem anderen, darunter die um die Jahrhundertwende erbauten Kraftwerke Charlottenburg und Moabit. Erstgenanntes ist eng mit der 100-jährigen Geschichte der Berliner Fernwärmeversorgung verbunden.

Im Kraftwerk Moabit wird 1923 die damals weltweit größte Dampfturbine mit einer Leistung von 21.750 PS installiert. Das Rathaus Charlottenburg ist zusammen mit 33 nahegelegenen Wohn- und Gewerbeanlagen der erste Fernwärmekunde Berlins.

HKW Moabit, Dampfturbine in der Maschinenhalle, um 1924

Zentrum der Elektroindustrie

Berliner Elektro-Droschke, 1904

Das Versorgungsgebiet wächst immer mehr und damit auch die Energienetze. 1896 fahren die ersten elektrischen Straßenbahnen, 1906 gibt es die erste Elektroküche, 1914 rollen auf den Straßen 208 Elektromobile und 500 Elektro-Droschken.

Am 1. Oktober 1915 übernimmt der Berliner Magistrat die gesamten Anlagen der Berliner Elektrizitätswerke zu einem Kaufpreis von 132 Millionen Mark: sechs Kraftwerke, 7.740 Kilometer Kabelnetz, 1.044 Kilometer Telefon- und Prüfdrahtnetz zur Versorgung von 52.347 Abnehmern.

Anfang der zwanziger Jahre


Im Ersten Weltkrieg wächst der Strombedarf der Rüstungsindustrie enorm, während der private Stromverbrauch zurückgeht. Die Wirtschaftslage ist katastrophal.

Auch Anfang der zwanziger Jahre halten die wirtschaftlichen Probleme an. Trotzdem gelingt es den Mitarbeitern der Städtischen Elektricitäts-Werke die Stromversorgung aufrechtzuerhalten und neue Wege in der Stromversorgung zu gehen.

Berlin wächst


Mit rund vier Millionen Einwohnern ist Berlin eine der größten Städte der Welt. Strom- und Fernwärmeversorgung werden ausgebaut. Im Bezirk Lichtenberg entsteht für den steigenden Strombedarf ein Kraftwerk nach den Plänen Georg Klingenbergs.

1925

hat jeder vierte Haushalt einen Stromanschluss. Auch Straßen-, U- und S-Bahn benötigen immer mehr Energie. Elektrische Haushaltsgeräte sollen den Stromverbrauch tagsüber ankurbeln.

1929

entsteht in Steglitz die Siedlung „Ohne Feuer und Rauch“. Sie ist die erste Siedlung in Deutschland, die über Zentralheizung sowie fließend warmes Wasser verfügt.

1930

nimmt das Kraftwerk West in Spandau seinen Betrieb auf. Die Abgabe von Wärme zu Heizzwecken erfolgt inzwischen aus den Kraftwerken Rummelsburg, Klingenberg, Charlottenburg und Steglitz.

 

Kraftwerk West in Spandau, 1912 - 1945

Energieversorgung in Kriegszeiten


Auch während des Zweiten Weltkriegs kann trotz starker Zerstörungen die Stromversorgung der Bevölkerung notdürftig aufrechterhalten werden. Reparaturtrupps der Bewag sind auch in dieser schweren Zeit Tag und Nacht im Einsatz.

Wiederaufbau während der Blockade, Arbeiter transportieren schwere Teile

Die Berliner Kraftwerke bleiben von Bombenangriffen weitgehend verschont, werden jedoch nach dem Krieg für Reparationsleistungen demontiert.

Die Berlin-Blockade verschärft die Lage in Westberlin. Über die Luftbrücke wird das Kraftwerk West, heute Heizkraftwerk Reuter, wieder aufgebaut und mit Kohle versorgt.

Geteilte Stadt


1948 erfolgt die Spaltung der Bewag. Am 8. März 1952 werden die letzten Verbindungen des Stromnetzes zwischen Ost und West getrennt und Westberlin ist ab diesem Zeitpunkt eine Strominsel.

In den folgenden Jahren werden dort acht Kraftwerke gebaut und erneuert. Ostberlin versorgt sich überwiegend aus dem Verbundnetz der DDR und Osteuropas.

1961 beginnt der Bau des Heizkraftwerkes Mitte an der Jannowitzbrücke in Ostberlin. Bevor es im August 1964 in Betrieb geht, werden wichtige Gebäude Unter den Linden – wie das Staatsratsgebäude – aus umgerüsteten Lokomotiv-Kesseln in der Michaelkirchstraße mit Fernwärme versorgt.

Seit 1971 liefert das Heizkraftwerk Lichtenberg Wärme für die neue Großsiedlung Marzahn-Hellersdorf.

In den Jahren 1987 bis 1989 geht das neue Heizkraftwerk Reuter West in Spandau in Betrieb. Das heute noch leistungsstärkste Heizkraftwerk von Vattenfall in Berlin kann fast eine halbe Millionen Haushalte mit Wärme und eine Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

 

Heizkraftwerk Mitte, 1969

Die politische Wende


Die elektrische Wiedervereinigung nach dem Fall der Mauer braucht Zeit. Als erstes wird zur Verbesserung der Inselsituation 1991 eine Stromverbindung zwischen den Umspannwerken Jägerstraße im Osten der Stadt und Mitte in der Schöneberger Lützowstraße im Westteil in Betrieb genommen.

1994 endet mit dem Anschluss Westberlins an das Westeuropäische Verbundnetz das Inseldasein. Seit 1998 verbindet ein sechs Kilometer langer Tunnel die beiden Stromnetze.

Blick vom Dach der Energiezentrale auf den Potsdamer Platz, 2010

Die Energiezentrale in der Stresemannstraße beginnt 1995 mit der Wärme- und Kälteversorgung des neu entstehenden Zentrums am Potsdamer Platz. Die Nachfrage steigt bis heute und mit ihr die Leistung der Kältezentrale auf insgesamt 44 Megawatt.

Das erste wichtige Heizkraftwerk im wiedervereinten Berlin ist das 1997 modernisierte Heizkraftwerk Mitte – eine der modernsten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen weltweit. Es versorgt seitdem das Zentrum der Hauptstadt mit Strom und Wärme.

 

Verkauf der Bewag


1997 verkauft das Land Berlin seine Mehrheitsanteile an der Bewag. Sie ist damit das erste vollständig privatisierte Unternehmen der öffentlichen Stromversorgung in Deutschland. 2003 wird die Bewag komplett von Vattenfall übernommen.

Klimaschutzvereinbarung


Klimaschutz IconErklärtes Ziel des Unternehmens ist es, Verantwortung für Berlin zu übernehmen, Veränderungen mitzugestalten und für ein gutes Klima zu sorgen. So erfüllt Vattenfall engagiert die Klimaschutzvereinbarung, die 2009 mit dem Land Berlin geschlossen wurde, und stellt sich mit innovativen Projekten den Herausforderungen der Energiewende.

 

v. l. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Vattenfall Chef Tuomo Hatakka besiegeln die Vertragsunterzeichnung

Engagement für Berlin


Heute zählen Vattenfall und seine Tochterunternehmen mit rund 5.000 Mitarbeitern am Standort Berlin zu den größten Arbeitgebern der Hauptstadt. Die Vattenfall Unternehmen versorgen rund 1,6 Millionen Kunden mit Strom und Gas und beliefern rund eine Million Wohneinheiten mit Fernwärme.

Zehn Heizkraftwerke, 45 Blockheizkraftwerke und insgesamt 265 dezentrale Anlagen versorgen Berlin mit Strom und umweltfreundlicher Fernwärme.

Die langjährige Verbundenheit des Unternehmens mit der Stadt zeigt sich auch in zahlreichen Engagements wie für den Vattenfall Berliner Halbmarathon, die Vattenfall City-Nacht und den Vattenfall Schul-Cup.

Vattenfall ist Titelsponsor des Halbmarathons

 

 


Weitere Informationen

 

Von 1884 bis heute

Von der ersten Straßenbeleuchtung bis zum HKW Lichterfelde. Erfahren Sie mehr und erleben Sie 130 Jahre Energie für Berlin!

Impressionen zur Ausstellung 130 Jahre Energie für Berlin (PDF)